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© Europapark Rust
Unternehmer Roland Mack

Deutschlands Disney

Der Europa-Park Rust ist der erfolgreichste Freizeitpark der Welt. Wie sprachen mit Roland Mack, Chef des Unternehmens.

Was macht den Europa-Park so erfolgreich, Herr Mack?

Roland Mack: Das hat auch mit unserer Herkunft zu tun. Unsere Familie kommt aus dem Bau von Fahrattraktionen, kennt die Branche seit vielen Generationen, unser Unternehmen gibt es seit 237 Jahren. Wir haben die großen Zirkusse ausgestattet, wir waren der Haus- und Hoflieferant des Circus Krone, von Sarrasani, von Zirkus Althoff. Dass wir ein schlagkräftiges Familienunternehmen sind, auf so eine große Tradition zurückblicken und zusammenhalten, hat sicher sehr zu unserem Erfolg beigetragen. Dazu kam, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort investiert haben.

Wir waren im Jahre 1975 einer der Ersten, die nach dem Vorbild der schon in den 50er-Jahren gegründeten US-Disney-Parks in Europa einen Freizeit-Themenpark eröffnet haben. Wir haben uns damals für das Thema Europa entschieden. Das war mutig. Damals gab es nur die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit ihren sechs Mitgliedsländern, und es war überhaupt nicht absehbar, ob dieses politische Konstrukt erfolgreich sein würde – und dass es einmal ein Europa geben könnte, wie wir es heute kennen, mit offenen Grenzen und 28 Mitgliedsländern.

Wir fanden es auch im Dreiländereck Frankreich, Deutschland, Schweiz ein sehr treffendes Thema und einen sehr treffenden Namen. Ich bin ein überzeugter Europäer – und ich bin zuversichtlich, dass das gemeinsame Europa bleibt und seine aktuellen Probleme überwindet.

Wie war das damals, als Sie anfingen?

Roland Mack: Die Grundstücksfrage war damals nicht einfach, wir fanden lange nichts Passendes. Nach mehreren Versuchen stießen wir auf den Ort Rust. Ein sehr schönes Gelände, aber damals verkehrsmäßig schlecht angebunden. Wir wollten nicht so weit weg von unserem Produktionsbetrieb – wir sind ja gleichzeitig Hersteller von Fahrgeschäften. Deswegen hatten wir damals auch einen Partner, der den Park betreiben sollte, wir wollten ihn nur bauen. Doch unser Partner starb drei Monate vor der Eröffnung. Ich war damals gerade mit meinem Studium fertig und bin dann in die Bresche gesprungen. Mein Vater war ja mit der Leitung unseres Produktionsbetriebs ausgelastet.

Ihr Vorbild waren die Disney-Parks. Aber was unterscheidet Sie davon?

Roland Mack: Was ähnlich ist, dass auch Disney ein Familienunternehmen war, als er mit den Parks anfing. Heute ist Disney geführt von angestellten Managern, da wird knallhart gerechnet nach Umsätzen pro Quadratmeter. Da geht es bei uns familiärer zu.

Ein Unterschied war, dass Walt Disney vom Film kam und ins Fahrgeschäft einstieg, bei uns ist es umgekehrt. Wir sind übrigens auch Lieferant der Disney-Parks, wir bauen dort Anlagen, haben gerade letzte Woche den Schienenschluss einer großen Fahrattraktion gefeiert, die wir bei Disney errichten. Was uns viele Besucher sagen, dass ihnen der Europa-Park besser gefällt als die Disney-Parks. Weil er europäischer ist.

Ein Unterschied ist übrigens auch noch, dass der Eintritt bei uns nur halb so viel kostet wie bei Disney.

Die Digitalisierung hat unsere Welt stark verändert. Wie wirkt sich das in Rust aus?

Roland Mack: Die Smartphones und das mobile Internet waren für uns ein Segen. Anders als vorher sitzen Sie damit nicht mehr nur in Ihrem Zimmer vor dem Bildschirm, sondern Sie sind eher bereit, auch mal etwas zu unternehmen. Auch die vielen Fotos von Parkbesuchen in den Social Media, auf Facebook und Co., die unsere Besucher posten, hat unsere Außenwirkung verstärkt, eine PR-Maschine für unseren Park. Auch bei unseren Attraktionen spielt die Digitaltechnik eine immer stärkere Rolle, insbesondere im Bereich Virtual Reality. Mein ältester Sohn Michael ist da ein Trendsetter, gemeinsam mit der Universität Karlsruhe entwickelte er ein VR-System, das weltweit sehr erfolgreich ist. Wir kommen kaum nach bei den vielen Aufträgen aus aller Welt. Die VR-Technik wird das Live-Erlebnis aber sicher nicht komplett ersetzen.

Thema Sicherheit: Wie haben Sie auf die zunehmende Terrorgefahr reagiert?

Roland Mack: Wir haben Sicherheitskontrollen eingeführt, die von den Gästen sehr geschätzt werden, weil sie zeigen, dass wir das Thema ernst nehmen. Bei den Besucherzahlen ist es nicht spürbar, die Menschen haben gelernt, damit umzugehen. Wir müssen mit der Situation leben und glauben auch, dass die Polizei große Fortschritte gemacht hat, hier für mehr Sicherheit zu sorgen. Im Weltverband der Freizeitparks gibt es eine Sicherheitskommission, die sich ebenfalls intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

Bei Ihnen arbeiten Tausende Menschen. Wo bekommen Sie Ihr Personal her?

Roland Mack: Das ist wirklich eine große Herausforderung. Bisher kamen auch viele unserer Arbeitskräfte aus dem nahen Frankreich, aber auch das wird immer schwieriger. Viele unserer Arbeitskräfte, die von weiter her zu uns kommen, brauchen außerdem Wohnraum. Wir haben für sie rund 600 Werkswohnungen gebaut. Wir bilden auch unseren Nachwuchs selbst aus, haben 130 Auszubildende, viele in sehr modernen Berufen.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Roland Mack: Generell schauen wir, alle drei bis vier Jahre eine neue Großattraktion zur Eröffnung, dazwischen aber auch viele kleinere Verbesserungen vorzunehmen. Als Nächstes wird 2019 unsere neue große Wasserwelt eröffnet – ein zweiter Park neben dem Europa-Park. Das meiste dort wird indoor sein, dadurch ziehen wir das ganze Jahr über Gäste. Wir wollen damit die Auslastung noch weiter ausbauen. Die Wasserwelt ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte unseres Parks, 150 Millionen Euro. Unter anderem entsteht dort auch ein neues Hotel mit 1300 Betten.

Wie würde einer Ihrer Mitarbeiter Sie als Chef beschreiben?

Roland Mack: Ich hoffe, er würde sagen, dass ich ein hohes Maß an Kompetenz und Einsatzbereitschaft zeige. Ich hoffe, dass ich als gerecht und auch sozial gerecht empfunden werde, der sich auch für die Sorgen seiner Mitarbeiter interessiert und sie ernst nimmt. Und ich hoffe, dass man auch die Leidenschaft spürt, die ich unserem Park entgegenbringe. Das ist mein Leben. Mein Vater ist 89 geworden und war bis einen Tag vor seinem Tod noch im Unternehmen.

© WAHA Press
Unternehmer Roland Mack mit SUPERillu-Chef Stefan Kobus.